Mittwoch, September 30, 2026

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Nach neuen Hitzerekorden in Österreich rückt die Kühlung von Gebäuden in den Fokus. Innovative Wohnbauprojekte zeigen bereits, wie sich mit der Speichermasse von Beton leistbar und ohne fossile Energie heizen und kühlen lässt. Die heimischen Zement- und Betonhersteller fordern daher, dass die thermische Bauteilaktivierung zum Standard in jedem Neubau wird.

Der Bildungscampus Liselotte Hansen-Schmidt in Wien

Bild: Der Bildungscampus Liselotte Hansen-Schmidt in Wien © BDÖ/derfritz

Der Sommer 2026 hat Österreich neue Temperaturrekorde beschert: Am 5. August wurden laut GeoSphere Austria in Bad Deutsch-Altenburg 41,2 Grad gemessen – der höchste je in Österreich registrierte Wert, nur einen Tag nachdem in Wien mit 41,0 Grad bereits der bisherige Allzeitrekord von 2013 gefallen war.

Wiederkehrende Hitzewellen dieser Art stellen den Gebäudesektor vor die Frage, wie Wohn- und Arbeitsräume auch bei Extremtemperaturen kühl gehalten werden können – ohne den Stromverbrauch für Klimaanlagen ungebremst in die Höhe zu treiben und mit deren Abwärme Innenhöfe und Straßenschluchten noch weiter aufzuheizen. Die österreichische Betonbranche verweist in diesem Zusammenhang auf eine bereits vielfach erprobte Lösung: die thermische Bauteilaktivierung. „Nur der Baustoff Beton eignet sich mit seiner Speichermasse, Gebäude ganzjährig angenehm zu temperieren. Angesichts immer häufigerer Hitzewellen soll die thermische Bauteilaktivierung zum Standard nicht nur bei allen neuerrichteten Wohnbauten, sondern auch bei Schulen und Kindergärten sowie Senioren- und Pflegeheimen in Österreich werden“, fordert Anton Glasmaier, Vorstandsvorsitzender von Beton Dialog Österreich und Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Betonfertigteilwerke.

Energieeffizienz im Fokus
Der Handlungsbedarf ist groß, denn laut Oesterreichs Energie entfallen rund 27 Prozent des gesamten österreichischen Endenergieverbrauchs auf den Raumwärmesektor – mit einem in den Sommermonaten rasant wachsenden zusätzlichen Kühlbedarf.

Bei der thermischen Bauteilaktivierung werden Rohrleitungen in Betondecken oder -böden verlegt, durch die temperiertes Wasser zirkuliert. Die hohe Speichermasse des Betons nimmt Wärme oder Kälte auf und gibt sie zeitversetzt und gleichmäßig an den Raum ab. In Kombination mit erneuerbaren Energiequellen wie Erdwärme, Wind oder Sonne lässt sich damit im Winter effizient heizen und im Sommer angenehm kühlen – lautlos, ohne Zugluft und klassische Klimaanlagen.

Aus diesem Grund ruft Beton Dialog Österreich Bauträger, Gemeinden und Planende dazu auf, thermische Bauteilaktivierung bereits in der Planungsphase mitzudenken, um spätere teure Nachrüstungen zu vermeiden. Salzburg gilt als erstes Bundesland, das die thermische Bauteilaktivierung im mehrgeschossigen Bau gezielt in den Förderkriterien berücksichtigt, auch in anderen Bundesländern sind hohe Standards beim ökologischen Heizen und Kühlen von Gebäuden in der Wohnbauförderung anrechenbar.

Einige erfolgreiche Beispiele der thermischen Bauteilaktivierung in Österreich:

Campo Breitenlee, Wien-Donaustadt: Das Plusenergiequartier nutzt die thermische Speichermasse von Beton in Kombination mit wetterprognosebasierter Steuerung. Das Quartier wird zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben und wurde 2025 mit dem Österreichischen Betonpreis in der Kategorie Wohnbau ausgezeichnet.

Wohnquartier Wientalterrassen, Wien-Penzing: Das rund 30.000 Quadratmeter große Quartier umfasst 295 Wohneinheiten. Beheizt wird über aktivierte Betondecken, die im Sommer auch zur Kühlung beitragen; die Wärme- und Kälteversorgung erfolgt fossilfrei über Erdsonden, Gehwegkollektoren und Abwasserwärmerückgewinnung in Kombination mit Photovoltaik. Das Projekt war 2023 Siegerprojekt des ersten Österreichischen Betonpreises.

Haus für Senioren Henndorf (Salzburg) und Studentenwohnheim Neu Marx (Wien): Das Seniorenheim in Henndorf kombiniert die Bauteilaktivierung mit Geothermie sowie einer PV-Anlage zur eigenen Stromerzeugung. Beim Studentenwohnheim in Neu Marx sorgen Grundwassernutzung, Wärmepumpen und eine dachflächendeckende Photovoltaikanlage gemeinsam mit der Bauteilaktivierung für ein fossilfreies Heiz- und Kühlkonzept.

Bildungscampus Liselotte Hansen-Schmidt (Wien): Der Bildungscampus in der Seestadt Aspern nutzt die thermische Bauteilaktivierung der Zwischendecken in Kombination mit über 70 Erdwärmesonden, um das Gebäude das ganze Jahr über rein mit erneuerbarer Energie hocheffizient, CO2-frei und kostengünstig zu heizen sowie zu kühlen.

Mehr bauteilaktivierte Gebäude in Österreich finden Sie auf dieser Innovationslandkarte.

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