Mittwoch, September 30, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

Pichler projects verbindet Stahlbau, Fassadenbau und Engineering unter einem Dach. Beim Besuch in der Zentrale in Bozen erklärt Geschäftsführer Hannes Market, weshalb ausführende Unternehmen möglichst früh in Projekte eingebunden werden sollten, was Südtiroler Betriebe besonders innovativ macht und warum künftig der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes stärker in den Mittelpunkt rücken wird.

Hannes Market
Fotocredit: Alex Filz


Bild: »Die Entwicklung wird vom reinen Produzenten einer Stahl- oder Fassadenkonstruktion hin zu einem ganzheitlichen Technologie- und Engineeringpartner gehen«, wirft Hannes Market einen Blick in die Zukunft.


Die Geschichte von Pichler projects reicht bis ins Jahr 1978 zurück. Welche Meilensteine haben das Unternehmen besonders geprägt?

Hannes Market: Die Entwicklung wurde stark von den beiden Gründern, Ferdinand und Walter Pichler, geprägt, die aus einer traditionellen Schmiedefamilie stammten. Ihr entscheidender Schritt bestand darin, das Handwerk von Anfang an mit Technik und Planung zu verbinden. Ferdinand war Schlossermeister, Walter Architekt. Damit führten sie zwei Kompetenzen zusammen, die damals üblicherweise noch getrennt waren. Schlossereien arbeiteten in der Regel nach fertigen Plänen, während Pichler bereits früh selbst in die Planung investierte.

Diese Verbindung prägt uns bis heute. Wir beschäftigen inzwischen rund 270 Mitarbeiter, aber das Verhältnis zwischen Engineering, Projektmanagement und handwerklicher Umsetzung ist nach wie vor von zentraler Bedeutung. Gewachsen ist das Unternehmen immer gemeinsam mit seinen Projekten. Die Gründer hatten den Mut, die alte Schmiede zu verlassen, zunächst eine eigene Produktion und später einen größeren Firmensitz aufzubauen. Mit Projekten für standardisierte Autohauskonzepte erkannten wir schließlich, wie eng Stahl- und Fassadenbau miteinander verbunden sind. Daraus entstand die Entscheidung, den Fassadenbau in das Unternehmen zu integrieren. Seit unserem Umzug an den heutigen Standort in den Jahren 2003 und 2004 bieten wir beide Gewerke an – einzeln, vor allem aber gemeinsam.

Welche Vorteile bringt diese Planungskompetenz für den Bauherrn?

Market: Sie ist zentral, weil wir Kunden in praktisch jeder Phase eines Projekts unterstützen können. Im einen Extremfall liegt die Werk- und Montageplanung bereits vollständig vor und es wird nur noch die Produktion angefragt. Im anderen Fall steigen wir schon beim Entwurf oder bei ersten Visualisierungen ein. Architekten, Tragwerksplaner und Spezialisten für Bauphysik sind bei uns direkt in das technische Büro integriert. Dazu kommen die Werk- und Montageplanung, die dreidimensionale und parametrisierte Planung sowie unsere eigenen Fertigungsmöglichkeiten.

Dadurch können wir sehr früh beantworten, ob eine Idee technisch umsetzbar ist, was sie kostet, wie lange ihre Realisierung dauert und ob es eine schnellere oder wirtschaftlichere Lösung gibt. Der Bauherr muss diese Form der Zusammenarbeit allerdings auch zulassen. Besonders groß ist der Mehrwert bei komplexen Projekten: etwa bei schwierigen innerstädtischen Anlieferbedingungen, anspruchsvoller Architektur oder hochalpinen Baustellen. Bei der Zugspitze mussten beispielsweise mehrere Hundert Tonnen Material mit der Seilbahn transportiert werden. Solche Rahmenbedingungen müssen bereits in einer sehr frühen Phase berücksichtigt werden.

Auch in Österreich wird dieses Early Contractor Involvement intensiv diskutiert. Wie lässt sich dieser Ansatz stärker etablieren?

Market: Dazu braucht es vor allem eine Sensibilisierung der Bauherren und Architekten. Deshalb präsentieren wir diese Arbeitsweise auch bei Veranstaltungen und Tagungen. In Italien sind funktionale Ausschreibungen verbreiteter. Der Bauherr beschreibt, was ein Gebäude leisten soll, und lässt sich anschließend Lösungen von den Unternehmen vorschlagen. In Österreich und Deutschland ist die Planung zum Zeitpunkt der Ausschreibung hingegen meistens bereits sehr detailliert. Wenn die ausführenden Firmen einsteigen, sind viele Entscheidungen schon gefallen. Die tatsächlichen Kosten werden aber oft erst zu diesem Zeitpunkt sichtbar, ebenso mögliche Unternehmervarianten.

Natürlich gibt es sehr gute Planungs- und Ingenieurbüros, die auf detaillierte Ausschreibungen spezialisiert sind. Die frühe Einbindung eines ausführenden Unternehmens kann daher als Konkurrenz zu ihrem Leistungsbild wahrgenommen werden. Es geht aber nicht darum, bestehende Kompetenzen zu verdrängen, sondern zusätzliche praktische Erfahrung einzubringen und früher Kosten- und Terminsicherheit zu schaffen.

Was unterscheidet den österreichischen Markt vom Südtiroler beziehungsweise italienischen Markt?

Market: Die Erwartungen an Qualität und Zuverlässigkeit sind im Wesentlichen dieselben. Unterschiede gibt es natürlich bei Normen und länderspezifischen Vorgaben. Der größte Unterschied liegt aber in der Ausschreibung. Österreichische Projekte weisen bei der Angebotslegung meistens eine deutlich höhere Planungstiefe auf. Der Kunde hat eine sehr klare Vorstellung davon, welche Leistung er am Markt anfragt.

Gleichzeitig verfügt Österreich sowohl im Stahl- als auch im Fassadenbau über sehr viele leistungsfähige, international tätige Unternehmen. Daher ist der Markt ausgesprochen konkurrenzintensiv. Das spüren wir besonders in einer Phase, in der die wirtschaftliche Situation im Fassadenbau weniger dynamisch ist als noch vor einigen Jahren.

Sie haben die intensive Konkurrenzsituation angesprochen. Wie wichtig ist Forschung für Ihr Unternehmen?

Market: Wir haben keine klassische Forschungs- und Entwicklungsabteilung, weil wir kein standardisiertes Produkt herstellen. Man könnte aber sagen, dass wir bei fast jedem Projekt Forschung und Entwicklung betreiben. Häufig müssen wir neue Systeme, Konstruktionsarten oder Materialkombinationen entwickeln, berechnen und auf Prüfständen testen. Diese Aufwendungen können innerhalb eines Projekts beträchtlich sein. Wir sehen uns deshalb als große Prototypenbauer. Jedes Projekt bringt neue technische, logistische oder rechtliche Herausforderungen.

Welche zusätzlichen Leistungen werden Bauherren künftig von Pichler projects erwarten?

Market: Die Entwicklung wird vom reinen Produzenten einer Stahl- oder Fassadenkonstruktion hin zu einem ganzheitlichen Technologie- und Engineeringpartner gehen. Neben Planung, Ausführungsqualität und Liefertreue werden wir verstärkt Lösungen für den gesamten Lebenszyklus anbieten müssen. Dazu gehören CO₂-Bilanzen, die Auswahl geeigneter Materialien, Kreislauffähigkeit und Wiederverwendbarkeit.

Künftig wird es beispielsweise nicht mehr nur darum gehen, ob eine Konstruktion statisch funktioniert und den gestalterischen Vorstellungen entspricht. Wir müssen auch überlegen, wie sich Bauteile später trennen und erneut verwenden lassen. Eine verschraubte Verbindung kann unter diesem Gesichtspunkt sinnvoller sein als eine dauerhaft verklebte Lösung. Bei ersten Projekten bilanzieren wir bereits den CO₂-Fußabdruck bestimmter Materialien. Noch ist nicht jeder Kunde bereit, den damit verbundenen Mehraufwand zu bezahlen. Aber die Entwicklung geht eindeutig in diese Richtung – ob sie fünf oder zehn Jahre dauert, wird sich zeigen.

 

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Bild: Bei der neuen Bergstation der Zugspitzbahn mussten mehrere Hundert Tonnen Material mit der Seilbahn transportiert werden.

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