Mittwoch, September 30, 2026

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Nach dem Aus für die Sanierungsförderung lässt der Österreichiche Baumeisterverband mit einer kreativen Idee aufhorchen. Nicht abgeholte Fördergelder des Wohnbau-Pakets sollten für bauliche Sanierungen gewidmet werden. 

Neue Impulse für bauliche Sanierungsmaßnahmen
Bildquelle: iStock

Der überraschende Beschluss des Umweltministeriums, bei der Sanierungsoffensive nur noch auf den Heizkesseltausch zu setzen, erhitzt auch noch Tage nach der Verkündung die Gemüter in der Baubranche. „Wenn es darum geht, den Energieverbrauch zu senken, führt an Investitionen in die Gebäudesubstanz kein Weg vorbei. Investitionen in neue Heizungstechnologien mögen zwar im Sinne einer Verbesserung der CO2-Bilanz kurzfristig von Vorteil sein, bringen aber keine substanziellen Energie-Einsparungen, wenn nicht auch das Gebäude klimafit gemacht wird. Primär gilt es, den Energiebedarf zu senken und erst in weiterer Folge geht es darum, den reduzierten Energiebedarf CO2-schonend zu decken“, erklärt Bmstr. Ing. Robert Jägersberger, Obmann des Österreichischen Baumeisterverbandes (ÖBV).

Grundsätzlich sollte aus Sicht des Baugewerbes der Kunde bzw. Förderungswerber selbst entscheiden dürfen, welche Sanierungsmaßnahmen im Einzelfall die besten Resultate bringen. Ein künstlicher Eingriff, wie er nun stattgefunden hat, sei hier kontraproduktiv. Darüber hinaus führe die wiederholt an den Tag gelegte Stop and go-Politik der öffentlichen Hand zur Verunsicherung jener Menschen, die grundsätzlich bereit wären, klimaverbessernde Investitionen in ihr Zuhause zu tätigen. Diese müssten während der Planungsphase damit rechnen dürfen, dass die ausgelobten Förderungen zum Zeitpunkt der Beantragung dann auch tatsächlich lukriert werden können. „Planbarkeit ist für derartige Investitionsentscheidungen eine wesentliche Voraussetzung, aber diese ist aktuell nicht gegeben“, so Jägersberger.

Mittel aus dem Wohnbau-Paket u.a. für Sanierungen inkl. Ortskern-Belebung

Um hier gegenzusteuern und die im Regierungsprogramm angekündigte Sanierungsoffensive wieder in die Spur zu bringen, fordert das Baugewerbe die Nutzbarmachung jener Teile der im Februar 2024 beschlossenen Wohnbau-Milliarde, welche – insbesondere aufgrund der restriktiven Zuschuss-Kriterien – von den Ländern nicht abgeholt wurden bzw. werden. Das Baugewerbe plädiert dafür, die nicht zur Auszahlung kommenden Mittel für eine neue Sanierungsoffensive zu verwenden, wobei der Sanierungsbegriff durchaus breiter definiert werden sollte: anstatt lediglich die Sanierung einzelner Gebäudeteile bzw. der Gebäudehülle zu fördern, sollten umfassende bauliche Sanierungen (z.B. von Ortskernen) forciert werden.

Damit würde auch wesentlichen Zielsetzungen des Regierungsprogramms Rechnung getragen werden, nämlich konkret die „laufende Evaluierung des Wohnbaupakets“, die „Unterstützung thermisch-energetischer Sanierung durch gezielte Förderprogramme“ sowie eine „Umsetzung der baukulturellen Leitlinien des Bundes zur Belebung der Stadt- und Ortskerne“. Zusätzlich zu einer Energie- und CO2-Einsparung wären mit derartigen Förderprogrammen auch beachtliche positive Nebeneffekte im Hinblick auf Bodenverbrauch und Siedlungspolitik verbunden.

Sanierungsförderungen rechnen sich für die öffentliche Hand

Anfang der 2010er Jahre wurden anlässlich der Förderaktion Sanierscheck die Hebelwirkungen von Sanierungsförderungen von den zuständigen Ministerien beziffert: pro 100 Millionen Euro Förderung wurde damals ein Investitionsvolumen von 700 Millionen Euro ausgelöst. Ein Investitionsvolumen dieser Größenordnung beschert dem Staat Steuerrückflüsse in Höhe von in etwa 180 Millionen Euro und zusätzliche Beitragszahlungen an die Sozialversicherung in Höhe von rund 120 Millionen Euro. Diese Zahlen belegen, dass öffentliche Impulse für bauliche Sanierungen nicht nur aus Gründen der Klima- und CO2-Bilanz, sondern auch wegen der volkswirtschaftlichen Effekte enorme Vorteile bringen. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass entsprechende bauliche Sanierungsmaßnahmen eine überdurchschnittliche inländische Wertschöpfung generieren und einen besonders hohen Beschäftigungsmultiplikator aufweisen.

„Ich appelliere an die Bundesregierung, nicht am falschen Platz zu sparen und im Wege einer Sanierungsoffensive Impulse für bauliche Maßnahmen zu setzen. Der Heizkesseltausch alleine greift hier zu kurz. Eine nachhaltige Reduktion des Energieeinsatzes wird nur in einem Gesamtpaket, welches auch die Gebäudesubstanz miteinschließt, zu bewerkstelligen sein. Das Baugewerbe steht mit seiner praxiserprobten Expertise gerne zur Verfügung, um ein optimiertes Fördermodell zu entwickeln“, so Jägersberger abschließend.

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