Mittwoch, September 30, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

Eine aktuelle Studie des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw) bildet erstmals das gesamte Wertschöpfungsnetzwerk Bauwirtschaft aus 30 Sektoren ab. Dabei zeigt sich, dass die Bedeutung der Bauwirtschaft als Wirtschaftsmotor bislang stark unterschätzt wurde. Tatsächlich hängt jeder fünfte in Österreich erwirtschaftete Euro unmittelbar oder
mittelbar mit der Bauwirtschaft zusammen.

Bauarbeiter auf Baustelle

Bild: Die Bauwirtschaft ist gemessen an der Wertschöpfung viermal größer als Gastronomie und Beherbergung zusammen.

Die Bau- und Immobilienwirtschaft trägt die heimische Wirtschaft. Direkt erwirtschaftet die Branche 52,1 Mrd. Euro Wertschöpfung. Kombiniert mit Zuliefer-, Verflechtungs- und Konsumeffekten steigt die Gesamtwirkung auf 84,8 Mrd. Euro. Damit hängen rund 20 % der österreichischen Wirtschaftsleistung unmittelbar oder mittelbar von der Bau- und Immobilienwirtschaft ab, also jeder fünfte Euro. Damit ist der Bau gemessen an der Wertschöpfung viermal größer als Gastronomie und Beherbergung zusammen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw) im Auftrag von Pro Bauen und Sanieren, einer Initiative der WKO Fachgruppe Wien der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, des Forschungsverbands der österreichischen Baustoffindustrie (FBI) sowie des Verbands der Baustoffhändler Österreichs (VBÖ).
Von bisherigen Statistiken und Studien weichen diese Ergebnisse deutlich ab. So ist der unmittelbare Beitrag der Bauwirtschaft mit 52,1 Mrd. Euro rund doppelt, unter Berücksichtigung sämtlicher Effekte sogar dreifach so hoch wie bislang angenommen. Die hohe Diskrepanz erklärt Studienautorin Anna Kleissner wie folgt: »Wir haben die österreichische Bauwirtschaft erstmals mithilfe der von Eurostat empfohlenen Methode des Satellitenkontos analysiert und damit alle baurelevanten Sektoren betrachtet. Das umfasst nicht nur den Hoch- und Tiefbau sowie das Baunebengewerbe, sondern noch eine Vielzahl weiterer Branchen wie beispielsweise Baustoffe, Maschinen, Architektur, Handel, Ausbildung oder die öffentliche Hand.«
Neben den enormen monetären Effekten ist die Bauwirtschaft auch ein wichtiger Stabilitätsfaktor am Arbeitsmarkt. Mit rund 624.000 Beschäftigten arbeitet knapp jede*r siebte Erwerbstätige in Österreich unmittelbar in der Branche. Unter Einbeziehung der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungseffekte sind sogar knapp 1,1 Millionen Arbeitsplätze mit der Bauwirtschaft verbunden. Zudem generiert der Sektor rund 27 Milliarden an Steuern und Abgaben für die Finanzierung des Gemeinwesens.

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Was wäre, wenn
Neben der faktischen Bedeutung der Branche hat sich die Studie auch die volkswirtschaftlichen Auswirkungen unterschiedlicher Szenarien angesehen und damit quasi kontrafaktische Geschichtsforschung betrieben. Hätte sich der Bau im Gleichschritt mit der österreichischen Gesamtwirtschaft entwickelt, wäre etwa 2024 statt eines Minus von 5,9 % nur ein Minus von 0,7 % gestanden, heuer würde die Branche ein Plus von 0,9 % erwirtschaften statt eines Minus von 0,7 %. Im Zeitraum 2022 bis 2027 würde die Bauwirtschaft eine zusätzliche Wertschöpfung von 25,3 Mrd. Euro erzielen, inklusive vor- und nachgelagerter Sektoren sogar 60,3 Mrd. Euro. Knapp 54.000 Arbeitsplätze im Bau und rund 130.000 österreichweit wären gesichert oder geschaffen worden. In einem weiteren Szenario betrachtet die Studie die Auswirkungen einer Verdopplung der Sanierungsrate von 2026 bis 2040 von 1,5 auf 3 %. Dafür wäre ein Sanierungsvolumen von 190,9 Mrd. Euro nötig. Das wären jährliche Mehrinvestitionen von 6,8 Mrd. Euro. Das Ergebnis wäre eine zusätzliche Wertschöpfung von 124 Mrd. Euro sowie die Sicherung oder Schaffung von 130.500 Arbeitsplätzen.
Auch das Sorgenkind Wohnbau haben sich die Studienautor*innen genauer angesehen. Eine Rückkehr auf das Fertigstellungsniveau der Jahre 2021/22 würde Zusatzinvestitionen von 7,8 Milliarden Euro jährlich erfordern, woraus eine gesamte zusätzliche Bruttowertschöpfung von 4,6 Milliarden Euro in Österreich entstehen könnte.

Fazit
Als Wirtschaftsmotor und in der amtlichen Statistik wird die Branche systematisch unterschätzt. Tatsächlich generiert die Bauwirtschaft beeindruckende 12 % der Wertschöpfung in Österreich, unter Einbeziehung mittelbarer Effekte sind es sogar rund 20 %«, sagt Studienautorin Kleissner und bestätigt den Stellenwert einer leistungsfähigen Bauwirtschaft für die österreichische Volkswirtschaft.

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