Mittwoch, September 30, 2026

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Bau | Immobilien

Der Verband Österreichischer Projektentwickler (VÖPE) begrüßt das von der deutschen Bundesregierung vorgestellte Maßnahmenpaket zur Senkung der Baukosten und zur Belebung des Wohnungsbaus und sieht darin eine Vorbildfunktion für Österreich. Gemeinsam mit den gemeinnützigen Bauvereinigungen hat man zudem vier budgetneutrale Lösungsvorschläge zur Beschleunigung von Widmungs- und Genehmigungsverfahren erarbeitet.

Mehrgeschoßiges Wohnhaus in Deutschland

Die Vorschläge der deutschen Bundesregierung setzen laut VÖPE an den entscheidenden Hebeln an: schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung, kosteneffizientere Baustandards und bessere Investitionsbedingungen. Besonders positiv hervorzuheben seien die geplante flächendeckende Digitalisierung von Planungs- und Genehmigungsverfahren, die Beschleunigung von Bauverfahren, die Förderung seriellen und modularen Bauens sowie die Überprüfung kostensteigernder Normen und technischer Anforderungen. Auch die Bündelung von Förderungen und die Verbesserung steuerlicher Anreize für Investitionen senden wichtige Signale an die Bau- und Immobilienwirtschaft.
VÖPE-Präsident Andreas Köttl: „Das deutsche Maßnahmenpaket zeigt, dass die Herausforderungen im Wohnbau in vielen Ländern ähnlich sind. Erst am Dienstag haben wir bei unserer Pressekonferenz ganz ähnliche Forderungen erhoben und konkrete Lösungen präsentiert. Dazu zählen insbesondere die Beschleunigung von Widmungs- und Genehmigungsverfahren, die konsequente Digitalisierung, ein kritischer Blick auf kostensteigernde Vorschriften sowie bessere Rahmenbedingungen für Investitionen in neuen Wohnraum. Es ist erfreulich zu sehen, dass Deutschland viele dieser Ansätze entschlossen umsetzen will.“
Aus Sicht der VÖPE braucht es auch in Österreich eine umfassende Offensive für mehr Wohnbau. Nur wenn Verfahren vereinfacht, Baukosten gesenkt und private Investitionen wieder attraktiver gemacht werden, kann ausreichend leistbarer Wohnraum geschaffen werden. Deshalb hat man gemeinsam mit dem Österreichischen Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV) vier budgetneutrale Lösungsvorschläge zur Beschleunigung von Widmungs- und Genehmigungsverfahren erarbeitet.

Vorschlag 1: Brandschutzprüfung durch unabhängige Sachverständige könnte Verfahren deutlich verkürzen.
Ein zentraler Vorschlag des GBV zur Verfahrensbeschleunigung betrifft die Vorprüfung von Bauprojekten durch befugte Brandschutz-Sachverständige. Künftig könnten qualifizierte Ziviltechniker bereits vor der Einreichung bestätigen, dass ein Projekt sämtliche geltenden Brandschutzbestimmungen erfüllt. Der GBV erwartet dadurch eine Verfahrensverkürzung von sechs bis neun Monaten. „Das ist eine langjährige Forderung des gemeinnützigen Wohnbaus, die ohne Reduktion der Sicherheitsnormen eine Beschleunigung nach sich ziehen würde. Neu wäre dabei nur, dass die Verantwortung für die Erstprüfung beim Projektwerber liegen und dadurch wertvolle Zeit gewonnen wird“, erklärt GBV-Obmann Michael Gehbauer.

Vorschlag 2: Genehmigungsfiktion bei Fristüberschreitung
Als konkreten Reformansatz schlägt die VÖPE die Einführung einer Genehmigungsfiktion für bestimmte Bauvorhaben vor. Wird innerhalb gesetzlich definierter Fristen keine Entscheidung getroffen, soll die Bewilligung automatisch als erteilt gelten. „Wer Wohnraum schafft und alle Voraussetzungen erfüllt, muss sich darauf verlassen können, dass Verfahren innerhalb angemessener Fristen abgeschlossen werden“, so Köttl. Eine solche Regelung könnte insbesondere für Projekte mit besonderer wohnungs- oder klimapolitischer Bedeutung Anwendung finden. Diese Idee geht im Grunde auf die Spruchpraxis des Verfassungsgerichtshofes zurück: Dieser hob in bereits mehreren Fällen beispielsweise in der Stadt Graz die dort bestehenden Bebauungsplan-Verpflichtungen ersatzlos auf, weil die Stadt Graz zuvor gesetzliche Fristen nicht eingehalten hatte.

Vorschlag 3: Vermeidung unverhältnismäßiger Verzögerungen bei Wohnbauprojekten
Ein weiterer Reformvorschlag betrifft nicht nachbarschaftsrechtlich motivierte Einsprüche, die vielfach zu erheblichen Verzögerungen führen. „Selbstverständlich müssen rechtsstaatliche Beteiligungsrechte gewahrt bleiben. Gleichzeitig müssen wir verhindern, dass Projekte durch Einsprüche jahrelang blockiert werden“, so Gehbauer. Diskutiert werden sollte daher unter anderem die Verpflichtung zum Nachweis eines berechtigten Interesses oder Kostenfolgen bei Einwendungen, weil sonst einzelne Personen die Errichtung von leistbarem Wohnraum für Menschen mit dringendem Wohnbedürfnis blockieren.
Gehbauer weiter: „Zusätzlich brauchen wir mehr aktiviertes Bauland. Deswegen schlagen wir vor, mehr Flächen für den geförderten Wohnbau zu widmen, um Maßnahmen gegen eine drohende Wohnungsknappheit entwickeln zu können.“

Vorschlag 4: Digitalisierung und „gläserner Akt“
Ein gemeinsamer Schwerpunkt beider Verbände ist die Digitalisierung von Bau- und Genehmigungsverfahren. Ein digitaler „gläserner Akt“ soll für mehr Transparenz sorgen, Bearbeitungsstände nachvollziehbar machen und Verwaltungsressourcen effizienter einsetzen. „Innerhalb der Behörde kann bereits jetzt jede Person jederzeit sehen, wo sich ein Akt gerade befindet. Wir wollen nur, dass diese bereits bestehende Möglichkeit zu einem Recht für die Projekt-Einreichenden wird. Das schafft mehr Effizienz, und zwar gänzlich ohne zusätzliche Belastung für die öffentlichen Budgets“, so Köttl.

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