Mittwoch, September 30, 2026

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Bau | Immobilien

Die nachhaltigste Immobilie ist oft jene, die bereits existiert. Angesichts steigender Baukosten, knapper Ressourcen und ambitionierter Klimaziele rückt das Bauen im Bestand zunehmend in den Fokus der Bauwirtschaft. Revitalisierung statt Abriss lautet die Devise – und ein Baustoff spielt dabei eine zentrale Rolle: Beton.

Zweites Leben mit Beton
Foto: Katharina Rossboth

Bild: Bei der Revitalisierung des Bürogebäudes »enna« konnten rund 60 Prozent der bestehenden Materialien wiederverwendet werden. Gegenüber einem Neubau spart der Erhalt der Bausubstanz etwa 40 Prozent CO2.


Ein aktuelles Beispiel für eine gelungene Revitalisierung ist das Bürogebäude »enna«, benannt nach seinem Standort »Vi-enna«, im dritten Wiener Gemeindebezirk. Das 1984 von Architekt Heinz Neumann geplante Bauwerk wurde bis 2023 von den ÖBB als Bürogebäude genutzt. Der neue Eigentümer, Art-Invest Real Estate, entschied sich, das Objekt 2024 umzubauen und zu modernisieren, statt abzureißen. Dabei wird der Gebäudekern erhalten, das Bauwerk thermisch saniert und mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet. Gegenüber einem Neubau werden rund 40 Prozent CO₂ eingespart. »Wir haben bereits bei mehreren Projekten positive Erfahrungen mit dem Re-Use von Bürogebäuden gemacht. In dem Fall hat uns nicht nur die nachgewiesen gute Substanz des Gebäudes, sondern auch die Lage an der Waterfront Erdberger Lände im dritten Bezirk überzeugt«, erklärt Mark Leiter, Geschäftsführer von Art-Invest Real Estate.

Langlebigkeit als Schlüssel
Dass ein rund 40 Jahre altes Gebäude aus Beton weiterhin genutzt werden kann, ist kein Zufall. Der Baustoff zeichnet sich durch seine hohe Dauerhaftigkeit und Tragfähigkeit aus. Dazu kommt, dass gerade Betonskelettbauten eine große Flexibilität in der Nutzung ermöglichen: Grundrisse lassen sich vergleichsweise einfach anpassen, Räume neu organisieren. Im Fall des Wiener Projekts blieb die Tragstruktur nahezu vollständig erhalten. Lediglich punktuelle Anpassungen waren notwendig, um den Bau an heutige Anforderungen anzupassen, auch zahlreiche Leitungen und Rohre konnten übernommen werden.

Revitalisierung statt Ressourcen­verbrauch
Die Entscheidung, ein Gebäude nicht abzureißen, sondern weiterzuverwenden, hat unmittelbare ökologische Vorteile. Ein Großteil der sogenannten »grauen Energie«, die bei der Errichtung eines Bauwerks aufgewendet wurde, bleibt erhalten. Gleichzeitig werden Abbruchmaterialien und der Bedarf an neuen Bau­stoffen reduziert.

Beim Projekt »enna« wurden rund 60 Prozent der bestehenden Materialien wiederverwendet. Fassadenelemente wurden aufbereitet, die vorhandene Struktur weitergenutzt und durch neue technische Systeme ergänzt. Diese Kombination aus Bestand und Innovation zeigt, wie sich bestehende Gebäude an moderne Anforderungen anpassen lassen.

Trotz der Vorteile ist das Bauen im Bestand nicht frei von Herausforderungen. Genehmigungsverfahren, Haftungsfragen oder technische Einschränkungen können den Aufwand erhöhen. Auch die Integration moderner Gebäudetechnik in bestehende Strukturen erfordert oft kreative Lösungen. Gleichzeitig zeigt sich, dass sich dieser Aufwand lohnt – ökologisch wie wirtschaftlich. Im Fall des Wiener Bürogebäudes sind bereits kurz vor Fertigstellung rund 85 Prozent der Flächen vermietet. Das deutet darauf hin, dass revitalisierte Gebäude auch am Markt auf hohe Akzeptanz stoßen.

Stadtentwicklung neu denken
Gerade in urbanen Räumen bietet die Revitalisierung von Bestandsgebäuden zusätzliche Vorteile. Bestehende Infrastruktur kann weiter genutzt werden, gewachsene Stadtstrukturen bleiben erhalten. Gleichzeitig lassen sich Gebäude durch gezielte Maßnahmen – etwa Begrünung, neue Nutzungskonzepte oder offene Erdgeschoßzonen – besser in ihr Umfeld integrieren.

Das Beispiel »enna« zeigt, dass auch vermeintlich überholte Bürogebäude ein zweites Leben erhalten können. Statt Flächen neu zu versiegeln, wird vorhandene Substanz weiterentwickelt – ein Ansatz, der angesichts begrenzter Ressourcen und steigender Anforderungen an nachhaltiges Bauen zunehmend an Bedeutung gewinnt.


Eckdaten »enna«

Eigentümer: Art-Invest Real Estate
Architektur: Hohensinn Architektur
Bruttogesamtgeschossfläche: 45.300 m²
Vermietbare Bürofläche: 20.500 m²
Gesamtdachfläche: 6140 m², davon intensiv begrünte Flächen: 1.331 m² (21,68 Prozent), davon Holzterrassen: 2.261 m² (36,82 Prozent)
CO2-Äquivalent Bestand: 5,029 kg/m² Nettogrundfläche nach Anlage pro Jahr
CO2-Äquivalent Abbruch: 0,155 kg/m² Nettogrundfläche nach Anlage pro Jahr
Gesamtersparnis CO2-Äquivalent: 5,184 kg/m² Nettogrundfläche nach Anlage pro Jahr
Adresse: Erdberger Lände 40, 1030 Wien


Hintergrund: Der Wiederverwender
Beton ist vollständig kreislauffähig. Dank seiner Zusammensetzung aus natürlichen Rohstoffen lässt er sich einfach wiederverwenden und etwa zu Recyclingbeton verarbeiten. Mehr als 90 Prozent des Betonabbruchs in Österreich werden verwertet und wiederverwendet. Auch die Wiederverwendung ganzer Bauteile gewinnt zunehmend an Bedeutung.

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