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Energiewende unter Druck: Wie smarte Weiterbildung den Fachkräftemangel entschärft

Die Energiewende ist das größte Infrastrukturprojekt unserer Zeit, doch ihr Fundament bröckelt: Es fehlen die Menschen, die sie umsetzen. Allein in der österreichischen Energiewirtschaft werden aktuell bis zu 2.000 Fachkräfte gesucht. Eine Studie des Industriewissenschaftlichen Instituts zeigt, dass in der gesamten Branche der Elektrotechnik und Informationstechnik bis zu 13.800 Stellen unbesetzt sind. Das bedeutet, dass derzeit jede vierte Stelle nicht besetzt werden kann – Tendenz steigend.

Denn dahinter verbirgt sich ein gefährlicher Kreislauf: Der Mangel an Fachkräften erhöht die Arbeitslast für die bestehende Belegschaft. Die Folge sind Überlastung, sinkende Motivation und eine schwindende Attraktivität als Arbeitgebender, was die Personalsuche zusätzlich erschwert. Die entscheidende Frage für HR- und L&D-Verantwortliche lautet daher: Wie kann man diesen Teufelskreis durchbrechen und Teams entlasten, statt sie weiter zu überfordern? Die Antwort liegt nicht in mehr Arbeitsstunden, sondern in einem strategischen Kompetenzaufbau.

Weiterbildung als Entlastung: Der Weg aus der Überstundenfalle

Überstunden können kurzfristig Lücken füllen, sind aber langfristig ein Brandbeschleuniger für Burnout und Fluktuation. Eine nachhaltige Lösung erfordert ein Umdenken: Statt die Arbeitslast zu erhöhen, müssen wir die Effizienz und die Fähigkeiten der Mitarbeitenden stärken. Laut dem Randstad Arbeitsbarometer 2025 würden nur 44 % der Befragten eine Stelle ohne die Möglichkeit, zukunftsrelevante Fähigkeiten zu entwickeln, nicht annehmen.

Ein Blick in die Praxis bei Wien Energie, einem der größten Energieversorger Österreichs, verdeutlicht das Potenzial von solchen Weiterbildungsmöglichkeiten: Das Unternehmen stand vor der Herausforderung, eine heterogene Belegschaft mit unterschiedlichsten Arbeitsrealitäten zu erreichen. Daher entschied man sich für den Einsatz einer digitalen Lernplattform mit orts- und zeitunabhängigen Trainings. Besonders niedrigschwellige Kurse zu Themen wie Microsoft 365 oder Projektmanagement stießen auf hohe Akzeptanz, da sie einen direkten Nutzen im Arbeitsalltag boten und die täglichen Aufgaben erleichterten. Die Erkenntnis ist klar: Richtig eingesetzt, ist Weiterbildung keine Belastung, sondern eine spürbare Entlastung.

Der Schlüssel liegt darin, Weiterbildung nicht als zusätzliche Aufgabe, sondern als integralen Bestandteil der Arbeit zu begreifen. Moderne Lernformate machen dies möglich. Kurze, digitale Lerneinheiten (Micro-Learning) lassen sich flexibel in den Arbeitsalltag integrieren – sei es zwischen zwei Terminen im Außendienst oder in ruhigeren Phasen im Schichtbetrieb.

Vom Pflichtprogramm zur Kür: Wie man echte Lernmotivation entfacht

Weiterbildung ist häufig negativ besetzt. Der Grund: Sie wird primär mit obligatorischen Sicherheits- und Compliance-Schulungen assoziiert – ein Pflichtprogramm, das selten Begeisterung auslöst. Diese „Lernmüdigkeit" ist eine große Hürde für L&D-Verantwortliche, die eine proaktive Lernkultur etablieren wollen. Wie kann man Mitarbeitende also für persönliche Weiterentwicklung begeistern?

Die Lösung liegt darin, einen klaren Unterschied zwischen dem „Müssen" und dem „Wollen" zu schaffen. Indem Unternehmen neben den Pflichtschulungen eine breite Palette an freiwilligen, attraktiven Lerninhalten anbieten, entsteht ein Pull-Effekt. Wenn Mitarbeitende die Freiheit haben, Themen nach eigenem Interesse zu wählen – sei es ein Training zu kreativem Denken, zur Stressbewältigung oder zur Verbesserung der eigenen Präsentationsfähigkeiten –, wird Lernen zu einer Chance statt zu einer Last.

Die Erfahrung bei Wien Energie bestätigt dies: Die hohe Akzeptanz der Lernplattform wurde gerade durch die praxisnahen und persönlich relevanten Inhalte erreicht. Ein Kurs über Excel-Tipps oder effektives Zeitmanagement löst ein unmittelbares Problem und schafft einen positiven Erstkontakt mit der Lernplattform. Dieses Erfolgserlebnis strahlt auf die gesamte Lernkultur aus. Wer positive Erfahrungen mit freiwilligem Lernen macht, geht auch motivierter in die nächste Pflichtschulung. Für HR bedeutet das, sich von reinen Administratoren zu Kuratoren zu entwickeln, die ein inspirierendes Lernangebot zusammenstellen.

Flexibilität durch Skills: Die Zukunft der Personalentwicklung

Die technologischen Umbrüche in der Energiebranche – von Smart Grids über Wasserstofftechnologien bis hin zum Einsatz von KI – sind rasant. Starre, auf technische Qualifikationen fixierte Stellenprofile werden diesen Entwicklungen nicht mehr gerecht. Zukunftsorientierte Unternehmen setzen daher auf eine skill-basierte Personalentwicklung. Anstatt in festen Job-Beschreibungen zu denken, rücken die Kompetenzen der Mitarbeitenden in den Mittelpunkt.

Dieser Ansatz ermöglicht es, Teams agil auf neue Anforderungen vorzubereiten und Potenziale innerhalb der Belegschaft zu identifizieren und zu fördern. Gleichzeitig wird die Weitergabe von Erfahrungswissen gefördert, indem ältere Mitarbeitende ihr Know-how in neuen Kontexten einbringen und jüngere Kolleginnen und Kollegen von ihnen lernen. Entscheidend ist dabei, Lernzeiten fest in die Arbeitszeit zu integrieren. Nur so wird Weiterbildung als wertgeschätzter Teil der Arbeit sichtbar und nicht zur „unsichtbaren Überstunde" nach Feierabend.

Die Energiewende wird nicht durch mehr Arbeitsstunden, sondern durch mehr Kompetenzen gelingen. Der Fachkräftemangel zwingt Unternehmen der Energiebranche, ihre Personalstrategien neu zu denken. Statt die verbleibenden Mitarbeitenden zu überlasten, müssen sie in deren Fähigkeiten investieren und sie für die Herausforderungen von morgen rüsten.

Über den Autor

Oliver Hahn ist Regional Director DACH/PL bei GoodHabitz. Er verantwortet die Geschäftsentwicklung in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Polen. Zuvor war er bei GoodHabitz als Country Manager, später als Country Director für Deutschland tätig und bringt umfassende Erfahrung aus Recruiting, Sprachtraining und digitaler Weiterbildung mit. Seine Laufbahn begann in einer internationalen Personalberatung, bevor er sich auf moderne Lernformate und Kompetenzentwicklung spezialisierte. GoodHabitz ist ein international tätiger Anbieter digitaler Lernlösungen mit Hauptsitz in Eindhoven, Niederlande. Weitere Informationen unter: www.goodhabitz.com

Bild: iStock

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