Mittwoch, September 30, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Kohle statt Korallen

Kohle statt Korallen

Australiens industriefreundliche Regierung nimmt die Zerstörung des Naturwunders des Großen ­Barriereriffs in Kauf. Gelingt ein Kurswechsel?

Das Große Barriereriff vor der Nordostküste Australiens gilt als eines der großen Naturweltwunder und ist seit 1981 UNESCO-Weltnaturerbe. Über 2.300 Kilometer erstreckt sich eine einzigartige Unterwasserwelt, die jährlich etwa zwei Millionen Touristen anzieht. Dass es dem verletzlichen Ökosystem in Zeiten der globalen Klimakatastrophen nicht blendend geht, ist keine Überraschung – wie dramatisch die Lage ist, wurde aber erst vor kurzem bekannt. Wo früher lebende Korallenriffe Millionen von Fischen Zuflucht boten, sind nur mehr weiße Skelette zu sehen, soweit das Auge reicht. Ein ganzes Drittel der Korallen sei bereits tot oder liege im Sterben, so ein Bericht der James Cook University in Sydney. Der internationale Aufschrei auch prominenter Naturschützer, von Leonardi di Caprio über Sir David Attenborough bis zum Virgin-Milliardär Richard Branson, ließ nicht auf sich warten.

Die Beitrag der konservativen Regierung zu dieser Naturkatastrophe ist erschütternd: Noch wenige Wochen zuvor hatte das australische Umweltministerium die Verweise auf Klimaschäden am Riff aus einem UN-Bericht entfernen lassen - »um dem Tourismus nicht zu schaden«. Schon letztes Jahr wurden überdies Gesetze erlassen, die das öffentliche Protestieren gegen Umweltsünder mit hohen Strafen belegen und das Klagsrecht der Öffentlichkeit gegenüber der Industrie beschneiden. Der Anlass waren anhaltende Proteste gegen den geplanten Ausbau des Kohlehafens Abbot Point direkt im Bereich des Riffs; über eine Million Kubikmeter Meeresboden in der Nähe der geschützten Korallenriffe sollen dabei abgebaggert und an Land deponiert werden. Ende Dezember wurde der heiß umstrittene Bau gegen massiven Bürgerprotest genehmigt. Man braucht nicht viel Böswilligkeit, um daraus zu schließen, dass die mächtige australische Kohleindustrie der Regierung offenbar näher ist als ihre Bürger, geltendes Recht oder der Schutz der Umwelt.

Kohle für Indien

Eine der größten Kohlenminen der Welt soll in Queensland den schmutzigsten fossilen Brennstoff abbauen und per Schiff nach Indien exportieren. 200 Millionen Tonnen Kohle exportiert Australien jährlich, doppelt so viel wie Russland, über die Hälfte davon sollen den Weg über Abbot Point nehmen. Diese für ein auch den Pariser Klimazielen verpflichtetes Industrieland fragwürdige Fixation auf den klimaschädlichsten Brennstoff Kohle geschieht im Namen des Profits einiger weniger – auf Kosten vieler. Über 70.000 Arbeitsplätze im Tourismus sind direkt vom Barriereriff abhängig, drei Milliarden Dollar werden allein hier pro Jahr erwirtschaftet. Die von Kohle-Befürwortern genannten Zahlen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze stellten sich hingegen inzwischen als wohlwollendes Wunschdenken heraus: Aus den angeblich 10.000 neuen Arbeitsplätzen wurden auf Nachfrage von Gerichten letztendlich 1.400, in den nächs­ten 30 Jahren.

Erst im April rief eine Gruppe von 56 Wissenschaftern in einem offenen Brief die australische Regierung dazu auf, eine Exitstrategie aus der Kohle in die Tat umzusetzen. Bei einem Kurswechsel der Klima- und Energiepolitik könnte Australien bis 2040 auf den Großteil seiner Kohle- und Gaskraftwerke verzichten, rechneten jüngst auch Bloomberg-Analysten vor. Noch sieht es jedoch nicht danach aus. Im Gegenteil: Im Mai 2016 bestritt der australische Umweltminister vehement, dass die Kohleförderung und -verfeuerung eine »signifikante« Auswirkung auf den Klimawandel und die nationalen Ökosysteme habe.

Auch anderen Regierungen dieser Welt sind die wirtschaftlichen Interessen mächtiger Lobbys wichtiger als Umwelt und Klima. Die Regierung Australiens hat aber vielleicht bald ein 2.300 Kilometer langes, totes Massengrab vor seiner Küste als Beweis ihrer Kurzsichtigkeit. (Rainer Sigl)

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Die IT-Reifeprüfung: So müssen Abläufe im Service ...
Reden bringt die Leut’ zusammen

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

AWS (Amazon Web Services)
29 September 2026
Firmen | News
Amazon Web Services (AWS) ist als erster Cloud-Anbieter für die Verarbeitung von sogenannten "NATO-Restricted-"Informationen (NR) durch alle NATO-Mitgliedstaaten zugelassen. David Appel, Acting Vice President of Worldwide Public Sector bei AWS, verkü...
Vertiv
28 September 2026
Firmen | News
Neue Produktionskapazitäten von rund 22.000 Quadratmetern in der Slowakei werden die Fertigung von Stromversorgungs- und Wärmemanagementlösungen für die digitale Infrastruktur der nächsten Generation vorantreiben. Vertiv (NYSE: VRT), ein weltweit füh...
Südtirol
23 September 2026
Architektur, Bauen & Wohnen
Firmen | News
Die Paneele für die 7.000 m² Fassadenfläche des Durst HQ in Brixen wurden vollständig im FRENER & REIFER-Werk gefertigt und über Nummerncodes bis zur Montageposition rückverfolgbar gemacht (© Paolo Riolzi) Südtirol kann nicht nur Tourismus. ...
AWS (Amazon Web Services)
23 September 2026
Firmen | News
Schnelle Vermittlungen, präzise Ankunftszeiten, stabiler Service auch zu Stoßzeiten: Dafür baut Uber seine Infrastruktur auf AWS aus. Matthias Patzak, Enterprise Strategist bei Amazon Web Services (AWS) erklärt, wie spezialisierte Cloud-Technologie u...

Populär

IT-Projekte: Einreichen und gewinnen – eAward 2026!

IT-Projekte: Einreichen und gewinnen – eAward 2027!

Der Wirtschaftspreis eAward zeichnet Digitalisierungsprojekte aus dem Raum...

Best of ... Connectivity

Vernetzung und Kommunikation auf Wasserstraßen, im Außendienst, im Vertrieb, im...
Elektrischer Mercedes-Benz eActros 600 mit Holcim-Silosattelauflieger an einer Ladestation in Mannersdorf, daneben drei Mitarbeiter.

Strom für die schweren Aufgaben

Holcim Österreich und Daimler Truck Austria zeigten im Zementwerk Mannersdorf, welche...
Bürogebäude von Primetals Technologies

Primetals: Brownfield-Conversion auf SAP S/4HANA

Atos hat gemeinsam mit Primetals Technologies ein weiteres internationales...
Visualisierung des Projekts PIER05 an der Seestädter Waterfront mit mehreren Gebäuden direkt am Wasser.

Viermal ÖGNI-Gold für PIER05

Für PIER05 in der Seestadt Wien liegen nun ÖGNI-Gold-Vorzertifikate für alle...
Kosmos und IBM: Modernes Deployment und automatische Skalierung

Kosmos und IBM: Modernes Deployment und automatische Skalierung

Ob zu Ostern oder zu Weihnachten, während der Geschenkesaison geht es beim...

Neue Blog Beiträge

30 September 2026
Qualität und Effizienz
Seit 1. August 2026 gilt die neue ÖNORM S2500 – Neuzertifizierungen erfolgen ab sofort ausschließlich nach dem neuen Standard, für bestehende Zertifikate empfiehlt sich der zeitnahe Umstieg bis Ende 2027. Mit der Publikation am 1. August 2026 lö...
28 September 2026
Qualität und Effizienz
 Unternehmen stehen derzeit nicht nur vor vielen langfristigen Herausforderungen, die von KI bis Klimawandel reichen - auch der monetäre Leistungsdruck steigt täglich. Umsatz, Effizienz und Einsparungen werden aktuell priorisiert: Für viele bede...
25 September 2026
Qualität und Effizienz
Die internationale Normung im Bereich Arbeitssicherheit befindet sich derzeit in einer dynamischen Entwicklungsphase. Während die Revision der ISO 45001 auf die Zielgerade einbiegt und die ISO 45003 weiterhin die zentrale Orientierung für den Umgang ...

Leben & StilView all

Office & TalkView all

Produkte & ProjekteView all