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Wüstensonne für alle

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In Marokko entsteht bis 2020 die weltgrößte Solarstromanlage – ein wichtiger Schritt zu einer möglichen Energiezukunft für Europa?

30 Quadratkilometer Fläche, 500 Megawatt Leistung, Baukosten von 3,5 Milliarden Euro, Strom für mehr als eine Million Menschen: Die Eckdaten des marokkanischen Solarparkprojekts Noor nahe der Sahara sind gewaltig. Der erste Teil der Anlage, Noor I, mit einer Leistung von 160 MW, ist fast fertiggestellt, bis 2020 soll das Megaprojekt vollendet und damit der größte Solarpark der Welt sein. Zum Vergleich: Europas bislang größte Solaranlage in Ces­tas, Frankreich, ist »nur« 2,5 Quadratkilometer groß. Das politisch stabile nordafrikanische Königreich Marokko betreibt seit Jahren eine ehrgeizige Energiepolitik. Aus gutem Grund: Wegen fehlender Öl- und Gasreserven zählt es zu den größten Stromimporteuren der Region. In wenigen Jahren schon soll dank Noor fast die Hälfte des Verbrauchs aus eigener Kraft durch Erneuerbare gedeckt werden können.

Perspektive für Europa

Bei der Verwirklichung dieses ambitionierten Planes wird Marokko international unter die Arme gegriffen: Aus Deutschland kommen 834 Millionen Euro, und auch der internationale Climate Investment Fund steuert 390 Millionen Euro bei. Auch die EU, die Weltbank, die Europäische Investitionsbank, die Französische Entwicklungsagentur und die afrikanische Entwicklungsbank unterstützen das Vorhaben Marokkos.
Dass nun in Ouarzazate die Kraft der Wüstensonne zur Stromerzeugung genutzt werden wird, könnte auch einer bereits totgeglaubten Idee neues Leben einhauchen: Die Wüstenstrom-Initiative Desertec hatte es sich seit 2009 zur Vision gemacht, mit Solarstrom aus dem äquatorialen »Sonnengürtel« Afrikas den Energiehunger Europas zu decken. Riesige Solarkraftwerke in der Wüste sollten dank Hochleistungsstromautobahnen die Kraft der Wüstensonne bis nach Nordeuropa bringen. 15 Prozent des europäischen Strombedarfs wollten die Initiatoren von Desertec bereits im Jahr 2015 decken können, und das zu Kosten von »nur« 400 Milliarden Euro.

Desertecs Auferstehung

Bekanntlich ist dieser visionäre Plan fürs Erste gescheitert: Schon 2014 musste Desertec de facto begraben werden. Die Münchner Zentrale der Initiative wurde geschlossen, Führungsstreitigkeiten sowie die politischen Unruhen in den arabischen Ländern, der »Arabische Frühling« und seine Folgen, hatten das Gemeinschaftsprojekt von zeitweise über 40 internationalen Unterstützern zu Fall gebracht.
Doch Totgesagte leben länger: Mit bescheidenerem Ansatz und neuem Hauptquartier in Dubai wollen Veteranen der Desertec Industrial Initiative unter Führung des Niederländers Paul van Son weiter an ihrer Vision festhalten, wenn auch mit anderem, schmaler gesetztem Fokus. Die Beseitigung bürokratischer und konzeptioneller Hindernisse auf dem Weg zur erneuerbaren Zukunft der Region hat fürs Erste Priorität für das geschrumpfte Unternehmen. Wenn durch dessen Starthilfe die Erzeugungskosten für erneuerbare Energie in Nordafrika und im Nahen Osten stark reduziert werden könnten, stünde aber dem Export dieser Überschuss­energien nach Europa wenig im Weg – das würde einer Auferstehung der ursprünglichen Desertec-Idee sehr nahe kommen. Der Bau des marokkanischen Megasolarparks bedeutet einen Schritt auf dem Weg dorthin. (Rainer Sigl)

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