Mittwoch, September 30, 2026

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Investitionen in KI stehen oft noch in keinem Verhältnis zur erzielten Wertschöpfung. Wird 2026 das Jahr der Wahrheit für KI? Auf jeden Fall hat sich der Zugang zu Projekten gewandelt, verrät Martina ­Sennebogen, ­Vorstandsvorsitzende bei Capgemini. 

Veränderung in den Erwartungen

Bild: Martina Sennebogen: »Menschen müssen jetzt Fähigkeiten entwickeln, die auch in einer von KI geprägten Arbeitswelt Bestand haben.«


Wo stehen Unternehmen heute beim Thema KI?

Martina Sennebogen: Künstliche Intelligenz ist kein neues Thema, gerade auch in der Industrie. Neu ist die Breitenwirksamkeit seit 2023 durch ChatGPT. Diese Phase des Ausprobierens war wichtig, damit Menschen Ängste abbauen. Was ich in Österreich jedoch weiterhin vermisse, ist die zielgerichtete Anwendung. Es gibt viele Use-Cases, die nicht entlang der Unternehmensstrategie priorisiert sind und bei denen Skalierbarkeit nicht mitgedacht wird. Auch müssen zunächst Hausaufgaben rund um Governance, Datenqualität und Datensouveränität erledigt werden. Ohne dieses Fundament wird KI nicht skalierbar. KI ist kein Selbstzweck – über die kurzfristige Suche nach Kostenreduktion oder Umsatzsteigerung hinaus sollte die Implementierung von KI als ein Instrument verstanden werden, das zur langfristigen Unternehmensstrategie beiträgt.

Wurden Digitalisierungsprojekte in der Vergangenheit falsch angegangen? Offenbar waren die Erwartungen an KI rund um Pilotprojekte zu hoch.

Sennebogen: Falsch ist aus meiner Sicht nicht ganz treffend. Capgemini setzt bewusst nicht auf eine große Zahl isolierter Proof-of-Concepts, um KI nur der KI willen umzusetzen. Die eigentliche Frage lautet vielmehr: Wie lässt sich langfristig konkreter Wert schaffen? Viele Unternehmen haben in den Projekten auch Governance und Change-Management unterschätzt. Diese Themen gelten als unsexy, sind aber die unvermeidbare Basis. Ohne sie bleibt der wirtschaftliche Nutzen aus. Ich kann ein Haus nicht einrichten, bevor die Mauern stehen. Das geht nur bis zum ersten Regen gut.

Ab welchen Projektgrößen arbeitet Capgemini mit Kunden?

Sennebogen: Die Größe ist nicht ausschlaggebend. Capgemini arbeitet sowohl mit sehr kleinen Teams als auch in großvolumigen internationalen Programmen. Entscheidend ist eine umfassende Sicht von der Strategie über Innovation bis hin zur Implementierung und den laufenden Betrieb – für Industrieunternehmen kommt auch der Bereich Engineering dazu. Die gesamthafte Beratung entlang dieser vier Säulen ist in dieser Form einzigartig. Projekte werden danach bewertet, ob sie das Potenzial für eine langfristige Zusammenarbeit haben, nicht nach der Größe des Initialprojekts. Wir haben mit allen unseren Kunden sehr lange Beziehungen. Es hilft dann auch bei der Komplexität von Projekten, wenn man sich bereits gut kennt.

Ist digitale Souveränität ein reales Thema für Unternehmen oder eher medial getrieben?

Sennebogen: Technologische Souveränität steht heute ganz oben auf den politischen Agenden und in den öffentlichen Debatten. Das Paradox besteht darin, dass in der heutigen global vernetzten digitalen Welt kein Staat wirklich souverän ist. Die Herausforderung für Organisationen besteht darin, zu entscheiden, wie viel sie investieren wollen, um strategische Kontrolle über die kritischen Technologien zu gewinnen, die sie benötigen, und um Risiken zu mindern. Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort.

Datensouveränität ist ein zentrales Thema, insbesondere im KI-Kontext. Es geht weniger um die Frage, welche Cloud genutzt wird, sondern um »Souveränität by Design«. Gerade in kritischen Anwendungen und sensiblen Datenbereichen gewinnt dieses Thema an Bedeutung, auch getrieben durch geopolitische Entwicklungen. Es geht darum, europäische Freiräume zu schaffen, ohne in protektionistische Silos zu verfallen.

Ist das vergleichbar mit der Cloud-Transformation vor einigen Jahren?

Sennebogen: Ja. Viele Systeme waren nicht cloudfähig »by Design«. Ähnlich ist es beim Thema Souveränität. Jetzt müssen Architektur und Designprinzipien überdacht werden, insbesondere in Multi-Cloud-Umgebungen. In regulierten Branchen ist das teilweise bereits etabliert. 

Wie erleben Sie aktuell die wirtschaftliche Stimmung in Österreich und die Investitionsbereitschaft Ihrer Kunden?

Sennebogen: Für viele Unternehmen war 2025 ein Jahr der Konsolidierung und des Hinterfragens von Geschäftsmodellen, Investitionen und Strukturen. In der aktuellen Umgebung bewegt sich die Nachfrage in Richtung Kostensenkung, Effizienzsteigerungen und Automatisierung. Unternehmen müssen mit zunehmender Komplexität navigieren.

Welches weitere Thema beschäftigt Sie aktuell besonders?

Sennebogen: Neben KI und Regulierung auch die Frage, wie junge Menschen auf die neuen Anforderungen vorbereitet werden. In meiner eigenen Familie haben wir unterschiedliche Berufsbilder im Fokus. Entscheidend ist, Fähigkeiten zu entwickeln, die auch in einer von KI geprägten Arbeitswelt Bestand haben.

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