Mittwoch, September 30, 2026

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Alexander Kuchar, CTO bei der A1 Group, über aktuelle Industrietrends und Zentralisierungen bei A1.

KI verändert unsere Arbeit
Alexander Kuchar ist CTO der A1 Group. (Foto: Renee del Missier)

Welche Themen waren für Sie heuer beim Mobile World Congress in Barcelona besonders stark vertreten?

Alexander Kuchar: Der Kongress hat gezeigt, wie sehr KI ein zentraler Bestandteil der Technologiebranche geworden ist. Besonders beeindruckend ist es zu sehen, wie stark KI bereits in den Kernprozessen von Unternehmen verankert ist. Es geht nicht mehr nur um einzelne Use-Cases, sondern um die Frage, wie KI die gesamte IT-Landschaft und die Art, wie wir arbeiten, verändert.

Ein weiteres Thema war Agentic AI, also KI-Systeme, die eigenständig Aufgaben übernehmen können. Das wirft neue Fragen auf: Soll man bestehende IT-Systeme aufräumen oder KI-Agenten einsetzen, um mit unübersichtlichen oder veralteten Strukturen umzugehen? Die Technologie ist mittlerweile so weit, dass sie in vielen Fällen eine echte Alternative zum klassischen IT-Redesign bietet.

Auch war die digitale Souveränität ein zentraler Diskussionspunkt. Unternehmen suchen nach Alternativen zu den großen Plattformherstellern, um unabhängiger und flexibler zu sein. Lösungen wie Exoscale zeigen, wie souveräne Cloud-Infrastrukturen den Anforderungen europäischer Kunden gerecht werden. Die Frage ist nicht mehr, ob man in die Cloud geht, sondern wie man es schafft, dabei Kontrolle und Wahlfreiheit zu behalten.

Wie positioniert sich A1 als IKT-Provider jenseits der klassischen Telekommunikation?

Kuchar: Unser Kerngeschäft bleibt Mobilfunk, Festnetz und TV, aber wir wachsen stark im Nicht-Kerngeschäft, das mit mehr als einer halben Milliarde Euro mittlerweile gut zehn Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Im B2B-Bereich bieten wir umfassend IT-Services in Bereichen wie Security und Cloud – und auch Lösungen für den Bereich Energie an. Dazu gehören auch KI-Lösungen und Partnerschaften mit Unternehmen wie Oracle, um lokale Cloud-Angebote zu stärken. Unser Ziel ist es, Unternehmen zu entlasten, damit sie sich auf ihr eigentliches Geschäft konzentrieren können.

Welche Rolle spielt KI dabei?

Kuchar: Bei der A1 Group ist KI kein Zukunftsthema mehr, sondern im Kern unserer Prozesse verankert. Wir nutzen KI in über hundert Einsatzbereichen: von der Echtzeit-Analyse von Gesprächen im Callcenter – bei ausdrücklicher Zustimmung unserer Kund*innen – bis hin zu automatisierten Kundendialogen. Die Technologie ist so weit, dass wir KI-Agenten einsetzen können, die mit Kunden zu interagieren und um die Servicequalität zu verbessern.

Wie verändert KI generell die IT-Landschaft von Unternehmen?

Kuchar: Viele Unternehmen stehen vor der Frage, ob sie ihre IT-Landschaft aufräumen oder KI-Agenten einsetzen sollen, um Legacy-Systeme weiter nutzen zu können. Nicht jedes Problem lässt sich mit KI lösen, aber in vielen Fällen kann sie helfen, unübersichtliche oder veraltete Systeme zu überbrücken. Das spart Zeit und Kosten, ohne dass man sofort alles neu aufbauen muss. Besonders spannend ist, dass KI-Agenten nicht nur Prozesse automatisieren, sondern auch komplexe Aufgaben übernehmen können – die Analyse von Kundendaten zum Beispiel oder die Unterstützung bei der Softwareentwicklung.

Welche Rolle spielt die Cloud-Migration für Unternehmen?

Kuchar: Die Migration in die Cloud ist kein einfacher Lift-and-Shift-Prozess mehr. Unternehmen müssen ihre Anwendungen und Prozesse „cloud ready“ gestalten, um die Vorteile der Cloud voll auszuschöpfen. Das bedeutet, dass sie ihre IT-Architektur anpassen und lernen müssen, Ressourcen effizient zu nutzen. Wir sehen, dass viele Unternehmen noch zögern, weil sie befürchten, bestehende Investitionen in Hardware zu verlieren. Doch die Cloud bietet nicht nur Flexibilität, sondern auch die Möglichkeit, Kosten zu optimieren und schneller auf Marktveränderungen zu reagieren.

A1 hat auch Organisationsteile verändert. Warum werden Services zentralisiert?

Kuchar: Wir haben unsere Kräfte in Competence Delivery Centern gebündelt. Statt in jedem Land eigene Lösungen zu entwickeln, arbeiten wir jetzt länderübergreifend zusammen. Das ermöglicht uns, Know-how für alle aufzubauen, die Qualität unserer Dienstleistungen zu steigern und schneller auf Kundenbedürfnisse zu reagieren. Die Zentralisierung ermöglicht es uns, Skaleneffekte zu nutzen und gleichzeitig lokale Expertise zu stärken. Das ist besonders wichtig, weil die Nachfrage nach IKT-Lösungen steigt und Unternehmen zunehmend komplexere Anforderungen haben. Durch die Bündelung unserer Kräfte können wir auch in Märkten wachsen, in denen wir keine eigenen Telekommunikationsnetze betreiben – etwa in Spanien oder der Schweiz.

Wie reagieren Kunden auf diese Verlagerung von Services ins Ausland?

Kuchar: Es ist wichtig zu betonen, dass die direkten Ansprechpartner für die Kunden in Österreich bleiben. Aus der internen Support-Erfahrung weiß ich, dass es durch den Aufbau und die Bündelung von Ressourcen tatsächlich schneller und besser wird. Zentralisiert werden nur jene Aufgaben, die hinter den Kunden passieren. Wir haben damit eine Stärke im Service wie nie zuvor. Ich bin überzeugt, dass wir hier am richtigen Weg sind.

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